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Badwater, trinken, trinken, trinken und nochmal trinken..... Tortur im Tal der Hölle Robert Wimmer überstand erfolgreich den Badwater Ultrarace von Reinhard Butzek 22:23 Uhr: Robert ist eingebrochen, vor etwa 20 Minuten. Er hat sich hingesetzt und wollte nicht mehr. Wir haben ihn erst mal ins Auto gelegt. Robert stöhnte: „Ich kenne das nicht von mir. Ich kann nicht mehr. Ich will nicht mehr. Lieber ein Ende mit Schrecken als ein schreckliches Ende…“ |
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Tortur im Tal der Hölle Robert Wimmer überstand erfolgreich den Badwater Ultrarace von Reinhard Butzek
22:23 Uhr: Robert ist eingebrochen, vor etwa 20 Minuten. Er hat sich hingesetzt und wollte nicht mehr. Wir haben ihn erst mal ins Auto gelegt. Robert stöhnte: „Ich kenne das nicht von mir. Ich kann nicht mehr. Ich will nicht mehr. Lieber ein Ende mit Schrecken als ein schreckliches Ende…“ Team-Chef Sebastian Bär stand vor einer schweren Entscheidung. „Ich hab die Crew zu mir geholt und gesagt, das neue Ziel heißt ins Finish kommen. Vergesst den Sieg. Kein Problem, aber der Mann ist nach dieser Strapaze psychologisch fix und fertig.“ Die Mannschaft machte schwere Minuten durch. Im Tagebuch von Sebastian Bär steht: „Ich habe Robert drei Minuten liegen lassen. Dann bin ich zu ihm hin und er hat mir seine negativen Gedanken geschildert. Also habe ich versucht ihn aufzubauen, hab ihm Rückhalt gegeben, gezeigt, dass wir ohne Wenn und Aber für ihn da sind und ein paar Geschichten erzählt. Robert ist aufgestanden, hat mich gedrückt und ist einfach weiter gelaufen.“ Neunter Rang ein Erfolg Der Nürnberger Langstreckenläufer Robert Wimmer ist durch die Hölle des Badwater Ultramarathons gegangen. Beim härtesten aller Langstreckenrennen über 216 Kilometer nonstop durch das Tal des Todes in den USA kam er als erster Deutscher ins Ziel. In der Gesamtwertung schaffte er Platz neun, lag damit in den internationalen Top-Ten. Die Zeit, die er für die Wahnsinnstour vom niedrigsten zum höchsten Punkt der USA benötigte, betrug 36:53:08 h. Sieger wurde Dean Karnazes aus den USA (27:22:48), gefolgt von den beiden Kandiern Ferg Hawke (27:30:20) und Monika Scholz (29:22:29). Eine Frau auf Platz drei, das wurde von allen Experten als sensationell gewertet. Asphalt war 80 Grad heiß
Hauptsache durch die Hölle kommen, so lautet für viele das Ziel. Halluzinationen, Dehydrierung, Hitzeschlacht und Nierenschäden sind nur einige Gefahren, denen die Teilnehmer ausgesetzt sind. Die Temperaturen lagen bis zu 60 Grad im Schatten – Sauna im Freien. Über dem flimmernden Asphalt wurden bis zu 80 Grad Celsius gemessen. Manche schnitten sich die Zehenbereiche der Schuhe frei. Alle liefen sich auf dem kochplattenheißen Straßenbelag Blasen. Eine Herausforderung für Material und Mensch. Robert Wimmer lief mit dem Performance-Schuh von Bär. Er wechselte einmal die Einlegesohle, wählte später eine größeren Schuh. „Aber ich hätte auch vom Start weg mit der Größe 9 laufen können. Ohne den Bär-Schuh, hätte ich das Ziel kaum erreicht“, so der 39-Jährige. Zudem mussten beträchtliche Höhenmeter überwunden werden. Strampeln im Saunakasten 80 Festentschlossene begaben sich an die Startlinie, wurden in Leistungsgruppen aufgeteilt und auf ihre Tour der Leiden geschickt. Nur die besten Ultraläufer der Welt durften sich für das Abenteuer qualifizieren. Der Sieger des Transeuropalaufes 2003 von Lissabon nach Moskau wollte aber mehr. Er hatte sich bestens vorbereitet, 350 Kilometer in der Woche absolviert, saß zudem bis zu 3 mal 1 Stunde auf dem Fahrradergometer in der 90-Grad-Sauna. Schließlich erreichte er trotz aller Komplikationen und Schrecken das Ziel. „Mein persönlicher Erfolg war auch ein Erfolg meines Teams“, sieht es Wimmer heute. Sebastian Bär von der bekannten Bietigheimer Schuh-Firma leitete die Gruppe, zu der auch Sportwissenschaftler Tom Aigner gehörte und Juergen Ankenbrand, ein deutscher Auswanderer, der ebenfalls Ultraläufer ist. Wasser, Wasser, und immer wieder Wasser Früh um 9.00 Uhr kam das deutsche Team in Badwater an, dem niedrigsten Punkt der USA (282 Fuß unter Meeresspiegel). Die Stunden zuvor verliefen doch etwas unruhig für Robert. Er kam weniger zum Schlafen, als es notwendig war. Um 10.00 Uhr fällt der Startschuss. Eine Gruppe von etwa 25 Läufer macht sich auf den Weg:135 Meilen, quer durch das Death Valley. Bereits um 6.00 Uhr und 8.00 Uhr sind Gruppen gestartet. Nach zehn Meilen steht im Tagebuch von Sebastian Bär: „Die Team Betreuung von Robert hat sich nach den ersten Stops eingependelt: Wir halten alle1,5 Kilometer und geben Robert Getränke (Elektrolyt, Frubiase, Wasser im Wechsel) und ein Gel mit Kohlehydraten, Banane, Trauben, Melone, Power-Riegel, Vitamin-Fläschchen, etc. immer im Wechsel. Außerdem sprühen wir ihn im Nacken, auf dem Kopf, an den Armen und auf der Brust mit kaltem Wasser jedes Mal ein. Jetzt wollen wir ihn noch mal einreiben mit Sonnencreme, da die Sonne unglaublich intensiv runterknallt und sagen ihm, er soll stehen bleiben, worauf er auf seinem typischen Fränkisch antwortet: „Nee, i bleib net stehn!“. Eisschwamm und Babynahrung
Eintrag nach 22 Meilen: „Robert lacht, läuft wie eine Maschine. Die Performance Einlegesohle ist tiptop, wird ihm auch nicht zu warm an den Fußsohlen. Wir haben jetzt vom Sprühen auf einen Eisschwamm gewechselt. Die Praxis hat gezeigt, dass dies besser funktioniert, um die Körpertemperatur unten zu halten, als das Einsprühen. Robert wendet sich auch an uns und fragt, ob wir ausreichend trinken, um nicht zu dehydrieren in dieser Teufelshitze. Er ist bester Laune. Es ist 14.00 Uhr und es sind weiterhin 52 Grad Celsius. Eisschwämme nimmt er super gerne, drückt diesen auf Kopf, im Nacken, an den Armen und Oberschenkeln aus. Der jeweilige Betreuer hat hier auch beim Versorgen immer einen Eimer mit Eiswasser mit dabei, so dass der Schwamm währenddessen immer wieder vollgesogen werden kann. Mittlerweile hat Robert auch schon einige aus der 8.00 Uhr Startwelle überholt. Wir füttern ihm jetzt auch Babyfood (ähnlich Hipp Baby Gläschen) und lassen ihn ein paar Meter gehen. Verfassung bei Robert ist super gut! Temperatur weiterhin 52 Grad Celsius.“ Dramatik: Rückspiegel in Hüfte gefahren 14.26 Uhr: Die Temperatur ist mittlerweile hoch auf 60 Grad Celsius(!). Es ist unvorstellbar. Jetzt geben wir Robert jeden Kilometer den Eisschwamm und weiterhin einen halben Liter Getränk. Den ersten Marathon hat er in 3:40 h geschafft. 15.15 Uhr: Robert wird von einem Auto angefahren. Ein englischer Tourist hat ihn übersehen und bleibt bei vollem Tempo mit seinem Rückspiegel an Roberts Hüfte hängen. Robert schreit kurz auf, der Autofahrer fährt weiter. Wir fahren an die Seite, ich renne zu Robert. Jürgen macht Eis bereit. Robert sagt, dass es noch geht und läuft weiter. Zum Glück ist bei all dem nichts passiert. 10 Zentimeter mehr, und das Rennen wäre vorbei gewesen. Zufällig war einer der Race Officials in der Nähe und jagt hinter dem britischen Touristen her. 15.54 Uhr: Nachdem der Schrecken verdaut ist, läuft jetzt alles wieder in seiner gewohnten Routine. Dean Karnazes liegt etwa 600 Meter vor Robert, muss aber auch immer wieder gehen. Es weht mittlerweile auch ein Wind, der leider nicht kühlt, sonder sich eher anfühlt, als würde jemand einem einen großen Fön auf höchster Stufe vor den Körper halten. Wir versuchen kontinuierlich Robert ausreichend zu versorgen, dass sein Körper mithält und er einigermaßen hydriert bleibt. Nur noch ein paar Meilen bis Stove Pipe Wells. Rechts von uns liegen die riesigen Sanddünen. Temperatur ist wieder runter auf 52 Grad Celsius. Ab Stove Pipe Wells wird es langsam bergauf gehen, dann wird es auch etwas kühler werden Dann ging nichts mehr . 1.09 Uhr: Robert hat sich vor gut einer Stunde ins Auto gesetzt mit Kreislauf- und Atemproblemen. Er kann nicht mehr weiter, sagt er, vorbei. Wir sollen ihn aus dem Rennen nehmen. Er sieht fix und fertig aus. Ich hab ihn zwei Mal gefragt und er hat nur wiederholt, dass er aufhören möchte und wir ihn rausnehmen sollen, aus gesundheitlichen Gründen. Okay, wir haben ihn im Auto gelassen und sind zur nächsten Zeitstation drei Meilen voraus gefahren. Dort habe ich ihn offiziell aus dem Rennen nehmen lassen. Zum Glück gab es hier auch noch eine medizinische Versorgungsstation. Robert konnte kaum mehr laufen. Die Krankenschwester hat ihm den Puls gemessen, Blutdruck geprüft, etc. Sie hat gesagt, es sein nicht ganz so schlimm wie es aussieht. Wir sollen ihn schlafen lassen. Er bekommt jetzt alle dreiviertel Stunden ein infusionsartiges Aufbaugetränk und schläft. Vielleicht ist er in vier bis fünf Stunden wieder fit und kann dann bis ins Ziel laufen, sagte die Krankenschwester. Ich habe mich darum gekümmert, dass die Rausnahme aus dem Rennen annulliert wird und er wieder im Rennen steht. Glücklicherweise ging das. Offiziell rausnehmen können wir ihn auch morgen früh noch. Hiervon weiß Robert nichts. Jetzt habe ich ihm sein zweites Aufbaugetränk gegeben und lasse ihn weiterschlafen. Phönix aus der Asche 1.29 Uhr: Die Krankenschwester ist Gold wert. Ich hab ihn gerade geweckt, sie hat seine Lungen abgehört, alles tiptop. Als ich ihr gesagt habe, dass er heute morgen um 10 Uhr gestartet sei, ist sie beinahe aus den Schuhen gekippt, so sehr war sie erstaunt, dass er jetzt schon quasi auf Meile 80 ist. Sie sagt, er hat alles um weiterzulaufen! 4.14 Uhr: Vor zehn Minuten kam Robert mit der Krankenschwester an unseren Van und hat uns aus unserem Halbschlaf geweckt. Er will jetzt weiterlaufen. Kleiner Jubel, Krankenschwester gedrückt, alle in den Van und zum Abbruchpunkt, drei Meilen vor Panamint Springs zurück gefahren. Es geht weiter, Robert läuft! 28Grad Celsius, ideal im Moment... 23:53:08 Uhr: Robert geht durchs Ziel, reißt die Arme hoch, lacht, lässt sich beglückwünschen. Robert ist im Ziel!!! Nach allem was passiert ist, ist dieser Mann nach einem Endspurt über 14 Meilen bergauf im Ziel! Das Team beglückwünscht Robert und sich selbst gegenseitig! Robert Wimmer ist bester Deutscher. Ein Wahnsinns-Rennen. Wir sind jetzt alle wohl 40 Stunden wach, jetzt nur noch schlafen!!! Der Kopf entschied alles
„Gewiss, ich wollte unbedingt gewinnen und lag zwischenzeitlich sogar in Führung. Schließlich war ich glücklich mit viel Kampfgeist und Durchhaltevermögen durchgekommen zu sein“, blickt Robert Wimmer heute zurück. „Ich bin während des Laufes sozusagen hingefallen, bin aber wieder aufgestanden und habe weiter gemacht. Das war kein Rennen, wie ich es kenne. Hierbei wurde sehr viel mit dem Kopf gemacht. Mit ausgeklügelten Trainingsprogrammen lässt sich das nur begrenzt steuern“. Die Ernährung war ein besonderes Problem. 60 bis 70 Liter Flüssigkeit pumpte das Bär-Team in Robert hinein. Dazu gab es Babynahrung, auch Salztabletten, als kleine Überraschung eine Melone. Teilweise wurde der Mann regelrecht gefüttert. Die Zwischenstopps zum Trinken und Essen reduzierten sich mitunter bis auf 800 Meter. Da hieß es für die Crew kurz vorfahren, Getränk anrühren und Robert während des Laufens einflößen |
| Robert hat hier noch eine Rechnung offen...." Ich will Badwater gewinnen" |











